(Teil 1)
Die SHMK begleitet schwangere Frauen in Notsituationen durch persönliche Beratung und konkrete Hilfeleistung so, dass sie Ja zu ihrem Kind sagen können. Dass eine solche Begleitung einer Mutter in Not umfangreich sein kann und der damit verbundene Aufwand riesig, wird im Folgenden an einem konkreten Fall aufgezeigt, der sich bei der SHMK ereignet hat.
Frau G. (22) ist schwanger und mit ihrer Situation völlig überfordert. Hin- und hergerissen, ob sie abtreiben will oder nicht, meldet sie sich per E-Mail bei der SHMK und schildert ihre Situation. Ihre Beziehung sei instabil und sie kämpfe mit verschiedenen Problemen aus der Vergangenheit. Finanziell stehe es nicht gut um sie. Sie lebe von der Sozialhilfe und befinde sich in einer provisorischen Wohnsituation. Sie wäre froh, um eine Kontaktaufnahme.
Kurze Zeit später versucht eine Beraterin, Frau G. telefonisch zu erreichen, was aber leider nicht klappt. Sie sendet ihr deshalb eine E-Mail, hinterlässt Combox-Nachrichten und schreibt ihr auf WhatsApp. Nun reagiert Frau G. Sie suche im Moment verzweifelt eine Wohnung und fühle sich ausgebrannt. Die Beraterin bietet ihr Hilfe bei der Wohnungssuche an. Sie bespricht mit ihr auch die Möglichkeit eines Mutter-Kind-Hauses. Gegenseitige Hilfe und ein persönlicher Austausch wären dort gewährleistet. Sie schlägt vor, sich auch persönlich zu treffen, um einen Plan zu erarbeiten, wie es weitergehen könne. Frau G. begrüsst diesen Vorschlag. Vor dem persönlichen Treffen kommt es zu weiteren WhatsApp-Nachrichten und Abklärungen zwischen ihr und der Beraterin. Der Kindsvater (23) wird beim Treffen dabei sein.
An einem Nachmittag trifft sich das Paar mit der Beraterin für ein mehrstündiges Gespräch. Frau G. ist sichtlich nervös. Zwischen ihr und ihrem Freund herrscht ein Konflikt, den sie zuerst untereinander ausdiskutieren. Die Beraterin nimmt eine Zuhörer- und Beobachterrolle ein und vermittelt dann. Frau G. öffnet sich bei diesem Gespräch. Es kommen Erlebnisse aus der Vergangenheit hervor und die Beraterin gewinnt allmählich ein klareres Bild von den beiden. Sie geht so auf sie ein, dass das Paar für sich gegenseitig Verständnis aufbringen kann.
Beim Kindsvater stellt sich heraus, dass er Probleme hat, im Leben zurechtzukommen. Er fühle sich oft falsch verstanden und sei derzeit arbeitslos. Im Gesprächsverlauf kommt einiges ans Licht und kann dank der Vermittlung durch die Beraterin geklärt werden. Das Paar ist gerührt und bedankt sich. Die junge Frau fühlt sich nach dem Gespräch deutlich entspannter.
In den folgenden Tagen gelangt Frau G. mit verschiedenen Anliegen an die Beraterin, die ihr darin beisteht. So gibt sie der Schwangeren wichtige Ratschläge für den Umgang mit Geld. Sie erteilt ihr die gewünschten Auskünfte über die Ansprüche auf die Sozialversicherung für Frauen mit einem Kind. Sie zeigt Frau G. auf, wie sie kostengünstig zu Lebensmitteln gelangt, und unterhält sich mit ihr mehrmals über eine gute Ernährung. Sie erörtert mit der jungen Frau ihre Fragen betreffend die Folgen einer möglichen Heirat und sendet ihr wertvolle Hinweise zur weiteren Lektüre.
Etwas später fragt Frau G., wie sie vorgehen könne, um zu einem Verdienst zu gelangen. Sie würde ihre Ausbildung lieber später abschliessen. Die Beraterin gibt auch hier Empfehlungen und Ratschläge ab, die Frau G. dankend annimmt. Die Beraterin klärt Frau G. auch über die rechtliche Situation bezüglich Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub sowie Mutterschaftsentschädigung auf. Zudem benötigt Frau G. Unterstützung bei der Arbeitssuche. Sie wisse nicht wo und wie suchen. Die Beraterin unterstützt Frau G. auf ihre Bitte hin mit wertvollen Tipps, wie sie am besten an die Arbeitssuche herangehen kann.
Der Kontakt zur Beraterin trägt nun zur Festigung der Beziehung zwischen Frau G. und dem Kindsvater bei. Dies befreit die Schwangere von schweren Sorgen. Die Begleitung durch die Beraterin und die oftmalige Aussprache mit ihr führen bei Frau G. zu mehr Klarheit über ihre Lebenssituation sowie zu einer angemessenen Einschätzung ihrer Möglichkeiten. Sie entscheidet sich, ihr Kind zu behalten.
Die Begleitung von Schwangeren in Notsituationen ist vielschichtig und aufwendig. Fragen zu den unterschiedlichsten Themen tauchen auf und verlangen innert kürzester Zeit eine Antwort. Hohe Flexibilität und gutes Einfühlungsvermögen sind darum Voraussetzung für eine kompetente persönliche Beratung.