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Methoden und Mittel der Abtreibung

Im Jahre 2020 wurden in der Schweiz offiziell 11’143 Abtreibungen verzeichnet. Dies bedeutet eine Zunahme um 4,5 % gegenüber dem Vorjahr. Seit der Einführung der offiziellen Abtreibungsstatisik im Jahr 2004 hat das Bundesamt für Statistik noch nie so viele Abtreibungen für ein Jahr gemeldet. Davon waren 5 % Spätabtreibungen nach der 12. Schwangerschaftswoche. Hinter jeder Abtreibung stecken Schicksale – Schicksale kleiner Menschen, die ihr Leben verlieren. Aber auch Schicksale von Müttern und Vätern, von Ärzten und anderen Beteiligten, die für den Tod dieser kleinen Menschen verantwortlich sind. Nachfolgend werden zahlreiche Methoden der Abtreibung, die man erfunden hat, beschrieben.

Die kombinierte Pille

Zusammensetzung: *Gestagen und *Östrogen.

Es gibt dieses Präparat als Ein-, Zwei- und Dreiphasenpillen. Die Beweglichkeit der Eileiter, die für den Ei- und Samentransport von Bedeutung sind, wird eingeschränkt. Der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut wird gestört, so dass sich der Embryo nicht einnisten kann und stirbt.

Die Mikropille

Sie ist eine einphasige Weiterentwicklung der kombinierten Pille, die deutlich weniger Östrogen enthält.

Die Minipille

Zusammensetzung: *Gestagen namens Levonorgestel.

Die Minipille dient der Veränderung des Zervixschleimes, um die Durchlässigkeit für männliche Samenzellen zu erschweren. Die Beweglichkeit der Eileiter, die für den Ei- und Samentransport von Bedeutung sind, wird eingeschränkt. Der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut wird gestört, so dass sich der Embryo nicht einnisten kann. Zudem besteht die Gefahr von Eileiterschwangerschaften.

Die Pille danach

Zusammensetzung: *Gestagen namens Levonorgestel.

Die Pille danach ist ein hochdosiertes Hormonpräparat. Es wird ,zur Vermeidung einer Schwangerschaft nach einem vorangegangenen Geschlechtsverkehr angewandt. Die „Pille danach“ hat eine zweifache Wirkung: Vor dem Eisprung der Frau verhindert sie den Eisprung (ovulationshemmende Wirkung). Hat der Eisprung der Frau jedoch bereits stattgefunden und ist die Eizelle von einem Spermium befruchtet worden, verhindert sie die Einnistung des Embryos (nidationshemmende Wirkung). Im letzten Fall sie also frühabtreibend.

RU 486 (Mifepriston)

Zusammensetzung: Anti-Progesteron

Zu den Methoden der Abtreibung gehört ferner die Abtreibungspille. Das Schwangerschaftshormon Progesteron ist für die Entwicklung der Schwangerschaft und des Kindes unabdingbar. Es bereitet die Gebärmutter auf die Aufnahme und Versorgung des Kindes vor. Es senkt auch die Kontraktilität der Gebärmutter (verhindert Krämpfe, die das Kind gefährden könnten). Zudem festigt es den Gebärmutterhals. Progesteron ist für den mütterlichen Körper das dauerhafte Signal, das Kind zu versorgen.

Mifepriston blockiert die Aufnahme von Progesteron durch die Rezeptoren (Zellen in der Gebärmutter). Dadurch kann das Hormon seine Wirkung in den Zellen nicht mehr entfalten. Die Folge ist, dass die Versorgung des Kindes in der Gebärmutter eingestellt wird. Das Kind verhungert, verdurstet und erstickt qualvoll über den Zeitraum von mehreren Tagen. Da Mifepriston Gebärmutterkrämpfe fördert und den Gebärmutterhals öffnet und erweicht, kann ausser der Tötung des Kindes auch gleich die Ausstossung erfolgen.

Spirale und «Spirale danach»

Bei der Spirale gibt es zwei Versionen. Eine arbeitet mit der permanenten Freisetzung von Hormonen, die andere ausschliesslich auf mechanische Art und Weise.

Die hormonelle Spirale (z.B. Mirena)

Zusammensetzung: aus Kunststoff mit einem Hormondepot, von dem bis zu fünf Jahre lang regelmässig eine geringe Dosis Levonorgestrel abgegeben wird.
Die hormonelle Spirale verhindert den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Sie behindert die Beweglichkeit der Spermien. Ferner verdickt sie den Zervixschleim verdickt. Auch hindert sie den Embryo daran, sich einzunisten, weshalb er stirbt.

Die mechanische Spirale

Die mechanisch wirkende Kupferspirale kann etwa fünf Jahre lang verwendet werden. Sie löst in der Gebärmutter einen Dauerreiz aus. Dies soll verhindern, dass sich eine befruchtete Eizelle einnistet. Bis zu fünf Tage nach einem Geschlechtsverkehr besteht die Möglichkeit, die Einnistung des Embryos mit Hilfe der Spirale zu verhindern.

Curettage

Die Curettage komt bis zur 12. Schwangerschaftswoche zum Einsatz. Der Embryo wird in der Gebärmutter mit einem chirurgischen Instrument zerstückelt. Dann wird er zusammen mit dem Anhangsgewebe mittels eines löffelartigen Instruments (Curette) ausgeschabt. Vorher muss der Muttermund erweitert werden.

Saugcurettage

Durch die *Zervix wird eine Kanüle eingeführt, durch die unter Erzeugung eines sehr hohen Unterdrucks das Kind zerrissen und abgesaugt wird. Sollten beim nachträglichen Zusammensetzen der Kinder- und Gewebeteile Stücke fehlen, muss noch eine Curettage vorgenommen werden. Die Methode der Absaugung bietet die Möglichkeit, die Embryonen weiterzuverwenden. Je nach Grösse des Embryos kann man zu diesem Zweck durch grössere Kanülen dafür sorgen, dass auch der Kopf des Kindes hindurchpasst.

Manueller Vakuum-Aspirator (Manual Vacuum-Aspirator)

Wird schon seit 1927 verwendet. Im Gegensatz zur Saugcurettage erfolgt die Absaugung ohne Elektrizität, rein manuell durch Erzeugung eines mechanischen Unterdrucks. Da keine Narkose gebraucht wird, kommt das Gerät vor allem in der Dritten Welt zum Einsatz. Der Embryo wird praktisch unversehrt – noch lebend – herausgeholt, und z.T. sofort weiterverwertet.

Erweiterung und Räumung (Dilatation and Evacuation)

Eine der Methoden der Abtreibung nach der 12. Woche ist die Erweiterung und Räumung. Zunächst wird der Muttermund z.B. mit Mifepriston oder Misoprostol erweitert und weich gemacht. Danach erfolgt die elektrische Vakuum-Aspiration mit Kanülen bis zu 16 mm Durchmesser unter Zuhilfenahme einer Geburtszange. Bei der weit verbreiteten chirurgischen Abtreibungsmethode „Absaugen“ wird das vorgeburtliche Kind in Stücke gerissen und abgesaugt. Die Absaugmethode kommt bis etwa zur 14. Schwangerschaftswoche zur Anwendung.

Abtreibungen nach der 14. Woche

Zu den Methoden einer Abtreibung nach der 14. Schwangerschaftswoche gehört üblicherweise die Verwendung von *Prostaglandinen. Bei einer eingeleiteten Geburt werden zunächst *Prostaglandine als wehenfördernde Mittel gegeben. Das Kind wird nach Stunden entweder tot geboren, vorher getötet oder, falls es die Abtreibung überlebt, in einen Nebenraum gelegt, bis es stirbt.

Letzterer Sachverhalt ist eine nach Strafgesetzbuch Art. 128 (Unterlassung der Nothilfe) strafbare Handlung. «Wer einem Menschen, den er verletzt hat, oder einem Menschen, der in unmittelbarer Lebensgefahr schwebt, nicht hilft, obwohl es ihm den Umständen nach zugemutet werden könnte, wer andere davon abhält, Nothilfe zu leisten, oder sie dabei behindert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.»

Abtreibungen nach der 20. Woche

  1. Um zu verhindern, dass Kinder bei einer eingeleiteten Geburt lebend zur Welt kommen, werden sie häufig vorher getötet. Hierzu verwendet man entweder Kaliumchlorid, das dem Kind direkt ins Herz gespritzt wird, oder chemische Stoffe wie die Ethacridinsäure Rivanol, ein Desinfektionsmittel, das in die Fruchtblase injiziert wird, um das Kind tödlich zu verätzen. Es kommt gelb verfärbt wie eine Zitrone auf die Welt.
  2. Bei einer eingeleiteten Geburt werden zunächst *Prostaglandine als wehenfördernde Mittel gegeben. Das Kind wird nach Stunden entweder tot geboren, vorher getötet – oder falls es die Abtreibung überlebt -, in eine Decke gewickelt und in einen Nebenraum gelegt, bis es stirbt.
  3. Bei der Sectio Parva wird die Gebärmutter über den Bauch der Mutter geöffnet, das Kind zunächst getötet (meistens mit einer Abortzange) und dann herausgeholt.
  4. Bei der Partial Birth Abortion wird das Kind bis zum Kopf geboren, dann wird mit einer Schere ein Loch in dessen Kopf gestossen, um das Gehirn herauszusaugen. Danach wird die Geburt abgeschlossen. Die Tötung des Kindes nach der Geburt kann auch durch Dekapitation (Abtrennung des Kopfes mit einer Siebold-Schere) oder durch Perforation (Durchstossen der Schädeldecke) erfolgen.

Worterklärungen

*Östrogene sind weibliche Geschlechtshormone. Östrogene spielen vor allem in der ersten Hälfte des weiblichen Zyklus eine wichtige Rolle. Östrogene sind für den Eisprung verantwortlich, sie bereiten die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft vor.

*Gestagene sind weibliche Geschlechtshormone. Gestagene hemmen den Eisprung und erhöhen die Viskosität (Maß für die Zähflüssigkeit) des

*Progesterone sind natürliche Gestagene.

*Zervix: Gebärmutterhals

*Endometrium: Gebärmutterschleimhaut

*Prostaglandine sind Gewebshormone, die nahezu in allen Organen vorkommen. Sie beeinflussen einige Prozesse im Körper, wie die Weitstellung von Blutgefässen, Schmerzzustände oder Entzündungen. Sie wirken auf die Muskulatur der Gebärmutter und jene des Gebärmutterhalses. Die Prostaglandine sind verantwortlich für die schmerzhaften Kontraktionen des Uterus in den ersten Stunden der Regelblutung.